Geschichte

Die Geschichte des kaiserlichen Postamtes Börßum

Vorgeschichte

Die Einführung von Eisenbahnen leitete eine neue Zeit auch im Postwesen ein. Waren vorher alle Transporte über Land nur mit Postkutschen möglich, trat durch den Eisenbahnverkehr eine Verbesserung sowohl hinsichtlich der Beförderungsgeschwindigkeit als auch der zu befördernden Mengen ein. Weil Börßum an der ersten deutschen Staatseisenbahnstrecke lag, profitierte der Ort bereits seit 1840 davon. Bei der Mühle (heute am Ende des Mühlenweges) errichtete man eine Haltestelle. Damals wurde auch eine Postexpedition in Börßum gegründet. Von 1854 bis 1875 waren die Postdiensträume dann im heutigen Bahnhofsgebäude untergebracht. Danach wurden sie in den Nordflügel der "Übernachtung" einem ehemaligen Gebäude südlich des Bahnhofsgebäudes verlegt und blieben dort bis 1910. 

Die Knoop´sche Chronik von 1902 überliefert folgendes:

"Das hiesige Postamt (...) wurde am 1. Januar 1868 vom Eisenbahnbetriebe getrennt. Es ist mit demselben eine Telegraphenbetriebsstelle und eine öffentliche Fernsprechstelle verbunden. (...) Die täglich aufkommenden Land- und Eisenbahnposten sind nach ihrer Zahl 40, (...) Der Ort Börßum hat eine dreimalige, Sonntags dagegen nur eine einmalige Bestellung. [welch Service zu Kaisers Zeiten!!] Die Einnahmen aus Porti, Telegranmmen und Fernsprechgebühren betrugen 1898: 9115 M. [Mark] 1899: 9258 M. und 1900: 9357 M. Zum Personal gehören 1 Postmeister, 5 Postassistenten, 9 Postschaffner, 5 Landbriefträger und 2 Aushelfer."

Bau und Eröffnung

Im Jahre 1909 wurde mit dem Bau des kaiserlichen Postamtes auf der gegenüber liegenden Seite der Ilse begonnen. Vom Bahnhofsvorplatz wurde eine neue Brücke zum Postamt gebaut. Die neuen Diensträume wurden zum ersten April 1910 bezogen. Bauherr war ein Privatmann. Der Architekt Alfred Müller errichtete das Gebäude und vermietete es an die kaiserliche Postverwaltung. Zum 15. Februar 1913 wurde das Gebäude von der deutschen Reichspost käuflich erworben. Im Erdgeschoss befanden sich die Diensträume, im ersten Stock die Dienstwohnung des Amtsvorstehers. Das Dachgeschoss war nicht komplett ausgebaut. Es gab neben dem großen Trockenboden lediglich einen vom Treppenhaus zugänglichen Raum, vermutlich als Wohnstätte für einen Postbediensteten.

Erster Weltkrieg

Die wehrpflichtigen Beamten und Hilfskräfte wurden zum Kriegsdienst einberufen und ihre Aufgaben stattdessen durch Frauen erledigt. Gefallene hatte das Postamt im Ersten Weltkrieg nicht zu beklagen.

Wirtschaftskrise

Börßum war das erste Amt im Bezirk, in dem die Landkraftpost eingerichtet wurde. Seit dem ersten Juni 1928 wurde das erste Postauto für den Zustell- und Abholverkehr eingesetzt. Als Kraftwagenhalle wurde der Wagenschuppen eingerichtet. Der ehemalige Pferdestall diente fortan als Lagerraum für Treibstoff und Öl. Das Postamt erhielt einen offenen Kraftwagen der Phänomenwerke, später einen Mercedes Landkraftpostwagen, der schließlich 1938 durch einen größeren Landkraftpostwagen der Phänomenwerke ersetzt wurde.

Zweiter Weltkrieg

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf das Postamt Börßum waren umfangreich:

Postbedienstete wurden zum Kriegsdienst eingezogen.

Der Postbetrieb - insbesondere auf den Bahnsteigen - wurde durch die angeordnete Verdunkelung erschwert.

Der Bahnhof Börßum wurde von Tieffliegern angegriffen.

Der Umschlag kriegswichtiger Güter Braunschweiger Firmen (Medikamente, Leuchtfarben, Ersatzteile für Büssing-LKW) nahm stark zu.

Im April 1945 kam der Bahnverkehr und mit ihm der Postverkehr immer mehr zum Erliegen.

Nachkriegszeit

Weil die zahlreichen Flüchtlinge Wohnraum brauchten, wurden im Dachgeschoss 1948 / 1949 zwei Wohnungen eingerichtet. 1952 wurde die Zentralheizung in das Gebäude eingebaut, zunächst beheizt mit Kohle und seit 1967/68 mit Heizöl.

Das Postamt blieb bis 1964 in diesem Gebäude. Am 09. November 1964 zog es in das Gebäude Hauptstraße 124 um. Dort wurde es wiederum im Sommer 1997 geschlossen. Seitdem gibt es in Börßum kein Postamt mehr, sondern Postagenturen, die in privaten Geschäften betrieben werden.

Bis Sommer 2007 war die Postagentur im Geschäft, Hauptstraße 100 untergebracht.

Vom Sommer 2007  bis zum Sommer 2010 war sie im Edeka-Markt, Hauptstraße 57 integriert.

Seitdem ist die Postagentur in der Lindenstraße 4 angesiedelt.

Das Gebäude des kaiserlichen Postamtes in der Poststraße wird seit 1964 als Wohnhaus genutzt, seit Juni 2014 ist im südlichen Teil der ehemaligen Diensträume im Erdgeschoss eine Ferienwohnung eingerichtet - eine der schönsten im Braunschweiger Land und für manche die attraktivste. Seit Juni 2017 ist die Ferienwohnung mit vier Sternen des Deutschen Tourismusverbandes klassifiziert.

Geschichte